ALGORITHMEN BEI SYLVIA ECKERMANN

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"Damals befand man sich noch in einer digitalen Utopie, glaubte an eine neue Gesellschaft und daran, den Kunstbegriff ändern zu können. Das künstlerische Einzelgenie sollte sich im gemeinsamen Projekt auflösen. Wir wollten weg vom langweiligen Kunstraum, hinaus in den öffentlichen Raum, zu dem auch das Fernsehen zählte." Aber die Hoffnungen wurden enttäuscht: // Eckermann

QUELLEN

49 zit.n. Eckermann, Artikel derstandard nach Anne. K. Fessler, Quelle: http://derstandard.at/2000011092588/ Sylvia-Eckermann-Die-digitale-Freiheit-wurde-sofort-oekonomisiert, aufgerufen am, 13.02.2015
50 zit.n. Eckermann, Artikel von Anne. K Fessler, Quelle: http://derstandard.at/2000011092588/Sylvia- Eckermann-Die-digitale-Freiheit-wurde-sofort-oekonomisiert, aufgerufen am, 13.02.2015
51 vgl. Wikipedia: Ein Algorithmus ist eine eindeutige Handlungsvorschrift zur Lösung eines Problems oder einer Klasse von Problemen. Algorithmen bestehen aus endlich vielen, wohldefinierten Einzelschritten.[1] Somit können sie zur Ausführung in einem Computerprogramm implementiert, aber auch in menschlicher Sprache formuliert werden. Bei der Problemlösung wird eine bestimmte Eingabe in eine bestimmte Ausgabe überführt, aufgerufen am 13.02.2015
52 zit.n. Eckermann, Artikel derstandard nach Anne. K. Fessler, Quelle: http://derstandard.at/2000011092588/ Sylvia-Eckermann-Die-digitale-Freiheit-wurde-sofort-oekonomisiert, aufgerufen am, 13.02.2015
53 zit.n. Eckermann, Artikel derstandard nach Anne. K. Fessler, Quelle: http://derstandard.at/2000011092588/ Sylvia-Eckermann-Die-digitale-Freiheit-wurde-sofort-oekonomisiert, aufgerufen am, 13.02.2015
54 zit.n. Eckermann, Quelle: http://syl-eckermann.net/Monster/index.html, aufgerufen am 13.03.2015 55 zit.n. Eckermann, Quelle: http://syl-eckermann.net/Monster/index.html, aufgerufen am 13.03.2015
55 zit.n. Eckermann, Quelle: http://syl-eckermann.net/Monster/index.html, aufgerufen am 13.03.2015
56 zit.n. Andrian Kreye, zit.n. Eckermann, Quelle: http://syl-eckermann.net/Monster/index.html, aufgerufen am 13.03.2015

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DIGITAL MONSTERS DONT BLEED, by Sylvia Eckermann

ALGORITHMEN BEI SYLVIA ECKERMANN

„Die digitale Freiheit wurde sofort ökonomisiert.“ 49 Eckermann wird in ihrem künstlerischen Schaffen von der Frage nach den Auswirkungen unserer digitalen Welt getrieben. „Die Wissenschaft ist zum Ersatz für Spiritualität geworden. Heute werden keine Knochen mehr geworfen oder Runen gelegt, um die Zukunft vorherzusagen, heute vertraut man dabei vielmehr auf die Orakelkraft des Algorithmus, auf eine "seltsame Mischung aus Aberglauben und Wissenschaft", findet die Künstlerin Sylvia Eckermann. 50 Durch das Aufkommen des Internet und den Clouds werden nicht nur Teile unseres Gedächtnisses ausgelagert, mit der bereits zuvor beschriebenen Entwicklung zum Web 3.0 wird nun auch der Partizipation Charakter und mit ihm die Auswertung unserer Daten (das nennen wir Algorithmus51). Von diesem Augenblick an, sind wir den Algorithmen ausgesetzt und er tritt uns in einer vielfachen und wandelbaren Anzahl und Formen entgegen: Nehmen wir beispielsweise eine Online-Partnerbörse oder eben die personalisierte Werbung in Videoportalen und den sozialen Netzwerken. Unsere Handlungen werden »ausgewertet.« Eckermann spricht von einem zweiten, digitalen »Daten-Ich«. All unsere Handlungen im Netz, der Besuch einer bestimmten Website, der Kauf eines Objekts, die Unterzeichnung einer Online-Petition, unsere gesamten Likes – all dies formt unsere digitale Persönlichkeit. Signifikant dabei ist, dass wir ohne dieses zweite »Ich« irgendwann nicht mehr existenzfähig sein werden. Überweisungen, Arzt, Einkauf, alles unterwirft sich den Prozessoren;

Dabei kann immer weniger davon die Rede sein, dass sich das Netzwerk öffnet, alle Menschen teilhaben lässt und der Inbegriff der Demokratie ist: Die Algorithmen, von denen bei Eckermann und auch in diesem Aufsatz die Rede ist, nehmen es mit der Demokratie – mit den dialogischen Medien nicht so genau; Man nehme nur den berühmten Google-Algorithmus, dieser wird wie eine einmalige Rezeptur (Eckermann zieht hier den Vergleich mit Coca-Cola) behandelt, geheim und wertvoll – undurchsichtig für den Otto Normalverbraucher – die Ökonomisierung hat das Internet längst erreicht. Eckermann bezeichnet sich selbst jedoch in keinster Weise als »technikfeindlich« – als Medienkünstlerin (für sie ist der Begriff längst obsolet geworden) sieht sie sich in der Verantwortung auf die mediatisierten Prozesse, die unsere Gesellschaft »überrennen« und gleichzeitig schleichend unterwandern, Künstlerinch zu reagieren. "Das ist etwas mit dem man sich befassen muss, das man nicht einfach so laufen lassen kann.“ 52 Laut Eckermann sind es meist die ökonomischen Interessen der Konzerne, die unsere aktuelle Datenauswertung steuern. Im Algorithmus der Maschine ist bereits alles festgelegt, wir werden gesteuert, der Zufall wird zu einem irrealen Begriff. Eckermann erinnert sich zurück an den Anfang ihrer Karriere: "Damals befand man sich noch in einer digitalen Utopie, glaubte an eine neue Gesellschaft und daran, den Kunstbegriff ändern zu können. Das künstlerische Einzelgenie sollte sich im gemeinsamen Projekt auflösen. Wir wollten weg vom langweiligen Kunstraum, hinaus in den öffentlichen Raum, zu dem auch das Fernsehen zählte." Aber die Hoffnungen wurden enttäuscht: "Die Freiheit der digitalen Welt wurde sofort vereinnahmt, ökonomisiert." 53

DIGITAL MONSTERS DON'T BLEED
Als abschliessendes Beispiel aus der Praxis soll hier Sylvia Eckermanns »Digital Monsters Don't Bleed« dienen. Die multimediale Installation thematisiert „[..]die Deutungshoheit von Algorithmen in unserer (digitalen) Gegenwart und die damit einhergehenden Kontrollmechanismen, die wir zumeist nicht wahrnehmen können.“ 54 Versuchen wir eine sprachliche Beschreibung der Installation: Eckermann erschafft eine netzwerkartige Struktur aus Polymerverbindungen, die sich wie ein hochkomplexes Gewebe durch den gesamten Ausstellungsraum zieht. An einigen Stellen sind die Rohrverbindungen unterbrochen, aus ihnen fließen statische Skulpturen aus Blattgold. Die Installation wird von einem kreisförmig projizierten Video ergänzt. Das Video, so Eckermann, zitiert den postsurrealistischen Film Fando & Lis von Alejandro Jodorowsky. Der hier zitierte Film handelt im Original von den zwei Protagonisten (Fando und Lis) die sich in einer postapokalyptischen Einöde auf die Suche nach einer mystischen Stadt namens »Tar« begeben – dort so heisst es, sollen alle Wünsche wahr werden. Eckermann hat eine Szene des Films herausgelöst, bearbeitet und neu geschnitten. „Das Todespochen der Tonspur wird zum Puls, der die Installation zeitlich gliedert und rhythmisiert.“ 55 Die gezeigte Szene der »Schlamm-Menschen« im Film, bekommt aufgrund der farblichen Bearbeitung sofort einen Bezug zu den Blattgold-Skulpturen. Aus den Netzwerken im White-Cube blutet es Gold – und auch wenn dies ziemlich wortwörtlich interpretiert ist, so haben wir es dennoch geschafft uns dem Kunstwerk etwas anzunähern. "Wir haben die Technologie der Zukunft gefunden," schrieb vor kurzem die Süddeutsche Zeitung. "Der richtige Algorithmus macht reich wie ein Goldnugget und ist mächtig wie ein Atombombe.“ 56

Anhand Eckermanns Aussagen lässt sich hervorragend ableiten, in welch dubiosen Zeiten wir leben – Daten und Information überall, die »Wahrheit« sucht man jedoch vergeblich. Die technischen Medien algorithmisieren für uns. Es wird verstärkt, weggelassen, vorselektiert – die Bilderflut wird uns vorgekaut und somit eine künstliche Medien-Öffentlichkeit hergestellt. Es haben sich zudem viele Diskurse entwickelt, man nehme die Medientheorie, die Mediologie oder die Medienkunst an sich. Im Zeitalter der Information tun sich mehr Fragezeichen denn ja auf. Man kann eigentlich nicht wissen, wohin sich unsere Informationsgesellschaft entwickelt. Vielleicht ist der Peak bald erreicht und es findet ein Rückzug ins Private statt, wahrscheinlicher jedoch erscheint ein Szenario, bei dem die Datenschützer als »Konservative« belächelt werden und wir mehr und mehr Bits von uns »sharen«.

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